
Projekt: Burial Hex
Titel: In Psychic Defense
Veröffentlichung: Sound of Cobra, 2011
Format: einseitige LP
Stil: Ethereal, Noise, Ambient, Psychedelic, Funk
"...A world without end. Amen."
Angeregt durch die nach wie vor fantastische Black Mass Rising-DVD überfiel mich die Lust, mir mal wieder ein Werk von Burial Hex zuzulegen; da nimmt man sich dann das Erstbeste, denn zugegeben, einen realistischen Überblick kann man bei der Menge an Veröffentlichungen des amerikanischen Projekts sowieso kaum behalten - da kam das in Berlin ansässige Label Sound of Cobra-Records sehr passend, die Ende letzten Jahres die single-sided-Schallplatte In Psychic Defense unter die Hörer brachten. Natürlich in kleiner Auflage und natürlich von Hand gesiebdruckt.
Sich konkret auf ein neues Werk von Mr. Ruby vorzubereiten gleicht eigentlich einem heillosen Unterfangen; zwar sind die Grundzutaten immer ähnliche, die wirklich markanten Säulen des Sound verschieben sich quasi nur langsam, doch aber klingt keine Platte genau wie die andere. So fordert jede wieder einen etwas anderen Zugang zum immer gleichen Spiel aus spirituell-atmosphärischem Habitus & inhaltlich-philosophischer Betrachtung. Auf In Psychic Defense widmet man sich einem aus der biblischen Schrift entlehnten Schutzspruch, einer Litanei des Erzengels Michael, in Black Metal-Kreisen wohl am besten wegen seiner oft benutzten Schlussformel "A world without end" bekannt, die hier einerseits vokalistisch intoniert, zum anderen aber das Tongut auch zum Schutzwall der eigenen Stärke erheben soll.
Den Bezug zum schwarzen Stahl, den man in frühen Arbeiten des Amerikaners noch zu finden meinte, sucht man auf dieser Schallplatte jedoch vergeblich. Stattdessen präsentiert Burial Hex hier eine sich ständig verändernde Metamorphose, die sich im Unterton zwar gleicht, in ihrer Oberfläche jedoch fast schon 180°-Wenden vollführt. Wichtiger Bestandteil in dieser Verwandlung ist die auf dieser Veröffentlichung stattgefundene Kollaboration mit Troy Schafer (u.a. Kinit Her, Spiral Joy Band, World On Higher Downs etc.), der Gitarren- und Basslinien beisteuerte und arrangierte, was den Burial Hex'schen Klangkosmos um eine deutlich psychedelische, warme Note erweitert.
Das singuläre Stück ist dabei innerlich in drei Abschnitte unterteilt: beginnend mit dem leblosen und abwesend wirkenden Gesang von Herrn Ruby bemerkt man schon hier die starke Wirkung der hallend-leiernden Gitarren und des blubbernden Bassspiels, die zusammen mit den minimalistischen Lo-Fi-Beats für einen etwas obskure Rehearsel-Eindruck sorgen. Kalt rezitiert die Stimme das besagte Stoßgebet, bis kurz Stille einkehrt. Ein sanftes und zerbrechliches Klavierstück beginnt, das wunderschön in seinem Ausdruck jedoch stets von dunkel dröhnenden Wellen unterlegt wird, was den Eindruck alsbald ins tragische Kippen lässt - abermals das Unausweichliche, dem man noch entfliehen möchte, indem man sich an der vergänglichen Schönheit noch ein wenig klammert.
Abschluss bildet zuletzt ein zwar genretechnischer Bruch, der jedoch die seit der ersten Sekunde vorherrschende ruhige und etwas karge Atmosphäre nicht zu zerstören vermag. Hämmernde Industrialbeats, finstere Growls und anderweitige Stimmbandattacken leiten zusammen mit hintergründigen Orgeln und einer kleinen Sägeblatt-Noise-Attacke den letzten Abschnitt ein: wieder ausgehend vom Bassspiel entwickeln sich die letzte Minuten der knappen 21 Minuten der psychischen Abwehrhaltung von ruhig-ambientalem Noise mit OTWATM-artigem Flüsterton zu einem lockeren, fast funkigen Stück, das postwendend die zuvor verloren geglaubte Wärme zurückbringt. Tanzbare Electrobeats und fließendes Bassspiel entwickeln sich zu einem wirklich verwundernden 70s-Funk Ausklang, der bis auf das nach wie vor bedrückende Orgelspiel im Rücken die Kälte gänzlich abgeschüttelt hat - schick!
Fazit:
In Psychic Defense ist eine schicke Veröffentlichung, die am besten mit ruhiger Stimmung und Wärme gepaart genossen werden sollte - für Scheuklappenträger denkbar ungeeignet deckt Burial Hex zusammen mit der hier immens wirkungsvollen Arbeit von Troy Schafer ein weites musikalisches Wirkungsfeld ab, das jedoch stets durch den typischen atmosphärischen Unterbau zusammengehalten wird - insbesondere der Schlussteil vermag dabei zu überraschend und die Stimmung deutlich zu heben - abermals eine spannende Veröffentlichung!