szmmctag

  • Auf zu neuen Ufern - neue Domain

    74o223a

    No Easy Listening ist ab sofort auf einer neuen Domain zu finden: NoEasyListening.de. Falls du diese Seite sehen kannst, funktioniert die automatische Weiterleitung nicht - benutze einfach den Link zur neuen Seite.

    Diese Domain wird noch aufrecht erhalten, bis sämtliche Einträge übertragen sind.

    "This is the end
    my only friend - the end"

    MaGrAe // 17/02/012

  • Burial Hex - In Psychic Defense

    R-150-3244945-1322134157

    Projekt: Burial Hex
    Titel: In Psychic Defense

    Veröffentlichung: Sound of Cobra, 2011
    Format: einseitige LP
    Stil: Ethereal, Noise, Ambient, Psychedelic, Funk

    "...A world without end. Amen."

    Angeregt durch die nach wie vor fantastische Black Mass Rising-DVD überfiel mich die Lust, mir mal wieder ein Werk von Burial Hex zuzulegen; da nimmt man sich dann das Erstbeste, denn zugegeben, einen realistischen Überblick kann man bei der Menge an Veröffentlichungen des amerikanischen Projekts sowieso kaum behalten - da kam das in Berlin ansässige Label Sound of Cobra-Records sehr passend, die Ende letzten Jahres die single-sided-Schallplatte In Psychic Defense unter die Hörer brachten. Natürlich in kleiner Auflage und natürlich von Hand gesiebdruckt.

    Sich konkret auf ein neues Werk von Mr. Ruby vorzubereiten gleicht eigentlich einem heillosen Unterfangen; zwar sind die Grundzutaten immer ähnliche, die wirklich markanten Säulen des Sound verschieben sich quasi nur langsam, doch aber klingt keine Platte genau wie die andere. So fordert jede wieder einen etwas anderen Zugang zum immer gleichen Spiel aus spirituell-atmosphärischem Habitus & inhaltlich-philosophischer Betrachtung. Auf In Psychic Defense widmet man sich einem aus der biblischen Schrift entlehnten Schutzspruch, einer Litanei des Erzengels Michael, in Black Metal-Kreisen wohl am besten wegen seiner oft benutzten Schlussformel "A world without end" bekannt, die hier einerseits vokalistisch intoniert, zum anderen aber das Tongut auch zum Schutzwall der eigenen Stärke erheben soll.

    Den Bezug zum schwarzen Stahl, den man in frühen Arbeiten des Amerikaners noch zu finden meinte, sucht man auf dieser Schallplatte jedoch vergeblich. Stattdessen präsentiert Burial Hex hier eine sich ständig verändernde Metamorphose, die sich im Unterton zwar gleicht, in ihrer Oberfläche jedoch fast schon 180°-Wenden vollführt. Wichtiger Bestandteil in dieser Verwandlung ist die auf dieser Veröffentlichung stattgefundene Kollaboration mit Troy Schafer (u.a. Kinit Her, Spiral Joy Band, World On Higher Downs etc.), der Gitarren- und Basslinien beisteuerte und arrangierte, was den Burial Hex'schen Klangkosmos um eine deutlich psychedelische, warme Note erweitert.

    Das singuläre Stück ist dabei innerlich in drei Abschnitte unterteilt: beginnend mit dem leblosen und abwesend wirkenden Gesang von Herrn Ruby bemerkt man schon hier die starke Wirkung der hallend-leiernden Gitarren und des blubbernden Bassspiels, die zusammen mit den minimalistischen Lo-Fi-Beats für einen etwas obskure Rehearsel-Eindruck sorgen. Kalt rezitiert die Stimme das besagte Stoßgebet, bis kurz Stille einkehrt. Ein sanftes und zerbrechliches Klavierstück beginnt, das wunderschön in seinem Ausdruck jedoch stets von dunkel dröhnenden Wellen unterlegt wird, was den Eindruck alsbald ins tragische Kippen lässt - abermals das Unausweichliche, dem man noch entfliehen möchte, indem man sich an der vergänglichen Schönheit noch ein wenig klammert.

    Abschluss bildet zuletzt ein zwar genretechnischer Bruch, der jedoch die seit der ersten Sekunde vorherrschende ruhige und etwas karge Atmosphäre nicht zu zerstören vermag. Hämmernde Industrialbeats, finstere Growls und anderweitige Stimmbandattacken leiten zusammen mit hintergründigen Orgeln und einer kleinen Sägeblatt-Noise-Attacke den letzten Abschnitt ein: wieder ausgehend vom Bassspiel entwickeln sich die letzte Minuten der knappen 21 Minuten der psychischen Abwehrhaltung von ruhig-ambientalem Noise mit OTWATM-artigem Flüsterton zu einem lockeren, fast funkigen Stück, das postwendend die zuvor verloren geglaubte Wärme zurückbringt. Tanzbare Electrobeats und fließendes Bassspiel entwickeln sich zu einem wirklich verwundernden 70s-Funk Ausklang, der bis auf das nach wie vor bedrückende Orgelspiel im Rücken die Kälte gänzlich abgeschüttelt hat - schick!

    Fazit:

    In Psychic Defense ist eine schicke Veröffentlichung, die am besten mit ruhiger Stimmung und Wärme gepaart genossen werden sollte - für Scheuklappenträger denkbar ungeeignet deckt Burial Hex zusammen mit der hier immens wirkungsvollen Arbeit von Troy Schafer ein weites musikalisches Wirkungsfeld ab, das jedoch stets durch den typischen atmosphärischen Unterbau zusammengehalten wird - insbesondere der Schlussteil vermag dabei zu überraschend und die Stimmung deutlich zu heben - abermals eine spannende Veröffentlichung!

  • Expo '70 - Hovering Resonance

    E70_HRlp

    Projekt: Expo '70
    EP: Hovering Resonance
    Veröffentlichung: Sound of Cobra, 2012
    Format: einseitige LP
    Stil: Psychedelic, Improvisation, Krautrock

    Wenn man den momentanen Musikmarkt der nicht ganz durchkommerzialisierten Sorte halbwegs beobachtet, dann fällt auf, dass in den letzten zwei Jahren neben der an jeder Ecke und vor jedem Namen stehenden Redundanz "post" vor allem Musik der psychedlisch-lilafarbenen 70s-Huldigung wieder stark an Fahrt gewann. Stoner und derart gefärbte Sludge-Bands prosperieren ebenso, wie namentlich nur zu bekannte Vertreter des Okkultrock - optisch wie musikalisch scheinen viele die drogengeschwängerte Vergangenheit für sich (wieder)entdeckt zu haben.

    Das kleine und recht junge Berliner Label Sound of Cobra bedient sich ebenso zu guten Teilen dieser Strömung und bietet Künstlern derartiger Couleur eine Bühne, bedient hier vor allem stilecht den Vinyl-Hunger, denn wenn retro, dann auch direkt von der Nadel; die soweit aktuellste Veröffentlichung aus diesem Hause stammt aus der Feder und den Fingern des Impro-Projekts Expo '70, dem musikalischen Experimentierfeld des umtriebigen Amerikaners Justin Wright, hier von den zwei Musikern Aaron Osbourne und Mike Vera begleitet  - Hovering Resonance mit Namen, in der mittlerweile vergriffenen Auflage von 200 Stück und in schicker & augenfeindlicher purpur-bordeaux-Hülle verpackt. Auf knapp 23 Minuten schaffen es die zwei Titel der leider nur einseitig gerillten Schallplatte; beide Stücke brechen zwar keine Innovationsbarrieren, schaffen es aber, den Kern psychedelisch schwelgender Tonkunst genau zu treffen und so trotz 40 Jahren Verspätung authentisch zu klingen.

    Der erste und etwas stärkere Fühnfzehnminüter Hovering Resonance macht klanglich alles richtig: vor einem einzig aus dumpfen, hintergründigen Bassdrumanschlägen bestehenden Pulse baut sich eine sanfte Wand mehrschichtiger Synthieteppiche auf, die sofort ein Gefühl von Schweben und Wärme, von Entspannung und Loslassen wachsen lassen. Vor diesem Grund finden sich meist singuläre oder ab und an duale Gitarrenimprovisationen, die in vollkommener Dröhnung mit viel Echo durch den Äther wandern. Das Stück bietet in sich kaum Progress, wenn man von den ersten Minuten absieht, die es braucht, bis die Gitarre einsetzt - Expo '70 kümmert sich in vollem Maße um Intensität der Atmosphäre und ihre Steigerung in monotoner Länge, was perfekt gelingt.

    Das darauf folgende, deutlich kürzere Stück Moon Raga geht anschließend einen etwas anderen Weg, und zeigt Herrn Wright in seiner Tonalität hier etwas dunkler und mehr dem Krautrock zugewandt: das begleitende Rhythmusspiel speist sich aus Cymbals und Schellen, die abermals monoton ihr Mantra schlagen, ein nach No-Input-Amp klingendes Dröhnen, das wahrscheinlich aus der orientalischen Shrutibox stammt, begleitet diese über die volle Distanz; die Improvisation entdeckt man diesseits in zufällig wirkenden, wellenartigen Gonganschlägen, die hintergründig dem Stück eine mystisch-oriantalische Note verleihen. Ein sich entwickelnder Spannungsbogen findet sich indes auch hier nicht - die gesamten knapp 24 Minuten dieser Veröffentlichung leben und atmen durch ihre Improvisation, durch die beständige Mehrschichtigkeit und die daraus resultierende lavaartige Bewegung; dies zu bewerkstelligen, ohne dröge Langeweile aufkommen zu lasssen, zeugt dabei von einem feinen Gespür für Musik und deren Gewichtung.

    Fazit:

    Hovering Resonance ist eine in ihrer Intention gänzlich auf psychedelisch-retroeske 70s-Atmosphäre bauende Arbeit, die es bestens schafft, genau jene träge Verneblung zu vertonen, die man von einem Trip in jene Jahre erwartet; zwar setzt man hier in einem momentan stark gefüllten Stil keine Innovation, doch aber überzeugt Expo '70 einfach durch die nicht von der Hand zu weisende Wirkung, die vor allem im ersten Stück vollends einnimmt und hinfortträgt.

     

Copyright © 2010-2011 NoEasyListenenig. No use without permission. All rights reserved.

Footer:

Die auf diesen Webseiten sichtbaren Daten und Inhalte stammen vom Blog-Inhaber, blog.de ist für die Inhalte dieser Webseiten nicht verantwortlich.